ERFORSCHEN - BEWAHREN

Grabungen und Bauforschung im Chor und im Turm

Bernhard Hebert, Markus Zechner


Abb.1 Ansicht von Westen
Filialkirche hl. Rupert
in Niederhofen 
  Die an der Nordseite des Ennstales am Rand des von Bauernhöfen ge-prägten Dorfes Niederhofen (KG Stainach, MG Stainach, VB Liezen) gelegene Kirche zum hl. Rupert ist heute Friedhofs- und Filialkirche der Pfarre Stainach. Sie gilt manchen als Urpfarre des oberen Ennstales, eine Kirchweihe ist für 1240 überliefert 1.

Die frühmittelalterliche Bedeutung des Umfeldes war bereits seit Jahr-zehnten durch weiter westlich am Schwemmkegel des Leistenbaches in weniger als 1 km Entfernung von Niederhofen gelegene Körpergräber be-kannt 2; seit 2002 ist zusätzlich ein Frauengrab des 9. Jahrhunderts von dem unmittelbar nördlich der Kirche gelegenen Gehöft vlg. Joglbauer be-kannt 3.
Im Zuge der behutsamen Restaurierung der Kirche kam es zunächst nur im Schiff vor dem rechten Seitenaltar zu einer punktuellen Untersuchung durch das Landesmuseum Joanneum, die eine mit Schutt verfüllte Gruft ergab, welche möglicherweise eine ältere Mauer weiterverwendet 4 (?).

Weitere partielle Beobachtungen erfolgten bei Bodenabsenkungen im Fundamentbereich des Tur-mes. Hier konnte der Hohlraum eines zur Bauzeit mitgemauerten Balkenkranzes festgestellt werden. Verbliebene Holzreste dieses Balkens konnten mit der Radiokarbon-Methode in das 11. Jahrhundert datiert werden 5. (Abb. 1, 2 u. 3 ).

Auch in der Nähe des Chorgestühls und der Mensa wurden ungepflasterte Bereiche zur Herstellung von Sondierungsgrabungen genutzt. Schon nach geringer Grabungstiefe konnte ein Ost-West ge-richteter Mauerzug sowie ein im rechten Winkel dazu verlaufender Mauerverband aus Quadersteinen befundet werden. (Abb. 4 u. 5) Somit konnte zwar die Existenz eines vorgotischen Baugefüges belegt werden, detailliertere Erkenntnisse jedoch waren damit noch nicht zu gewinnen 6.