GRABSTEINE

1598, 1599, 1606
Turmuntergeschoß links. Weißer Marmor. Erst anlässlich der letzten Kirchenrestaurierung von der Chormauer innen links hier angebracht.
Grabschrift am Haupt des Grabsteines in Versalien:
HIE LIGEN VND SEIN BEGRABEN DIE EDL EHRN TUGENTSAM FRAV DOROTHEA WALTHERIN VON WALTERSWEIL, DES EDLEN VESTEN HERRN GEORGEN MAYRS V.[ON] VND ZV GRAVENEGG, F[ÜRSTLICHE]R D[URC]H[LAUCHT] ERTZHERZOG FERDINANDEN ZV OSTERREICH ETC. RATT, EHELICHE GEMAHEL, WELCHE DEN 2.TAG IVNII DES 1604 IARS IN GOTT GANTZ CHRISTSAELIGLICH AVS DISER WELT ABGESCHIDEN, DANN BAIDER EHELEIBLICHER KINDER, DEREN DAS ERST DEN XV. FEBRVARII IM 1598 CHRISTINA: DAS ANDERE ABER DEN XXVI. IANVARII DES 1599 IARS CHRISTOPH GENANT BAIDE GSTRAGGS NACH EMPFANGNER GACHTAVF AVCH SEELIGLICH ENTSCHLAFFEN. GOTT WOLLE ALLEN CHRISTGLAVBIGEN SEELEN EIN FRÖLICHE AVFERSTEHVING VERLEIHEN. AMEN.
Darunter in Kartusche nebeneinander zwei große Wappenreliefs, das Walther'sche Wappen mit ent-wurzeltem Baumstamm, Blatt und Eichel, das Mayrísche mit drei Lilien.
Der Text des Grabsteines berichtet von einer familiären Tragödie. Die beiden 1598 und 1599 gebo-renen Kinder sind sofort (»gstraggs«) nach der Geburt der Nottaufe (»Gachtauf«) unterzogen worden. Man hielt diese einst als für das Seelenheil der Neugeborenen, wenn diese für nicht lebensfähig gehalten wurden, unbedingt notwendig. Die typischen Taufnamen für diese notgetauften Kinder wa-ren Christina, Christian(us), also »eine Christin, ein Christ«. Da diese Taufe von jedermann, meist aber von der Hebamme (»Frau«) vollzogen wurde, hieß sie auch »Frautaufe«.