LAGE und URSPRUNG

Wer mit der Bundesbahn oder auf der Bundesstraße das steirische Ennstal nach Westen durchfährt, passiert kurz vor der Eisenbahnstation Stainach-Irdning rechter Hand eine weiß leuchtende Kirche mit einem ungewöhnlichen schindelbedeckten Turmhelm. Der Kundige erkennt auch im Vorüber-huschen, dass es sich um einen gotischen Bau handelt. Es ist die Filialkirche Niederhofen, die zur Pfarre Hl. Antonius in Stainach gehört, selbst also über keine Pfarrrechte verfügt. Der neuere Orts-friedhof von Stainach umgibt sie. Ihr Inneres birgt jedoch Grabsteine, die in eine größere historische Tiefe zurückweisen. Den Durchbruch der Klachau bewachen einerseits die mittelalterliche Ritter-siedlung und traungauische Pfalz der Pürgg, andererseits schon in der Talniederung stehend der Felsklotz, der Schloss Trautenfels trägt, das aus der alten Feste Neuhaus hervorgegangen ist. Die Hochebene der Pürgg trägt ein altsteirisches, nahezu unverbildetes Dorf, für das Peter Rosegger einmal den Übernamen »Das steirische Kripperl« geprägt hat. Das Irdninger Moos, einst ein von der noch unregulierten Enns durchflossenes Moorgebiet, füllt die Talebene aus und war einst von einer Unzahl von Heuhütten besetzt.

Das Ennstal weitet sich hier und stellt schon in fernen Zeiten einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt dar. Von Norden kommt die alte Salzstraße aus dem Ausseerland, auf deren wieder ansteigenden südlichen Geländestufen am Eingang des Donnersbachtales der Markt Irdning liegt. Hier zieht die Straße durch, die in der Vergangenheit sich im Gebiete von Donnersbachwald in Saumpfade auf-löste, über die Säumerkarawanen Salz und Kaufmannsgüter auf dem damals kürzesten Weg ähnlich wie die Verbindungen durch die Sölktäler und ihre Pässe ins obere Murtal gelangten. Gegen Osten hin erblickt man den Inselberg des Kulm, der vor mehr als 2000 Jahren eine urnenfelderzeitliche Siedlung trug.

Wie belebt, wirtschaftlich aufgeschlossen und relativ wohlhabend diese obersteirische Schlüssel-zone schon vor mehr als 300 Jahren war, zeigt sich etwa auch in der Tatsache, dass das bekannte Burgen- und Schlösserbuch des Topographen und Kupferstechers Matthäus Merian von 1681 allein für den Raum Stainach und Irdning zehn verschiedene adelige Ansitze aufzählt und abbildet: Trautenfels, Ober-, Mittel- und Unterstainach, Friedstein, Wolkenstein, Falkenburg, Pichlarn, Puttererschloss und Gumpenstein.