LAGE und URSPRUNG

Auch kunsthistorisch bietet dieser Teil des Ennsbereiches besondere Kostbarkeiten: Nicht nur die weltberühmten romanischen Fresken der Johanneskapelle auf der Pürgg ziehen an. Die Pürgger Pfarrkirche, die Filialkirche St. Johannes von Hohenberg am Kulm mit ihrem gotischen Flügelaltar, die barocke malerische Ausstattung des Schlosses Trautenfels, die Pfarrkirche Irdning, auf der zwei Renaissancepäpste Inhaber der Pfarrpfründe waren, selbst das kühne moderne Meisterwerk der Pfarrkirche von Aigen bilden nur die Spitze kunst- und kulturhistorisch prominenter Werke, die man hier antreffen kann.

Dazu kommt auch noch die bezaubernde landschaftliche Umgebung unter der beherrschenden Silhouette des jäh aus dem Tal aufsteigenden und deshalb so mächtig wirkenden Grimming, den man einst für den höchsten Berg der Steiermark hielt. Die ruhig dahinziehende, längst gebändigte Enns, in die bei Trautenfels der Donnersbach hineinrauscht, zieht aus jedem der zahlreichen aus Nord und Süd hereinstreichenden Täler Bäche und kleinere Gerinne an. Der Putterersee im Tal gilt als der wärmste Alpensee, der Spechtensee liegt bereits im Hochgebirgsmilieu. Almen und Nadel-wälder, Auwald und Ackerland bestimmen die Landwirtschaft seit Alters her.

Heute ist das Ennstal in diesem Bereich längst vom Massenverkehr erfasst. Jahrelange Querelen, streitbare Debatten um das Für und Wider der Straßenneugestaltung und Trassenführung dieser Schlagader der Obersteiermark sind an der Kirche Niederhofen vorübergegangen. Unberührt von menschlichem Planen und Verändern steht sie als markantes Zeichen der scheinbaren Zeitlosigkeit inmitten des Friedhofs mit seinen Ruhestätten und Plätzen der Ruhe derer, für die die Ewigkeit be-reits begonnen hat. Die Rupertkirche ist in ihrer historischen Entwicklung ein Denkmal der Frömmig-keit des Mittelalters, die nicht nur als Mittelpunkte religiöser Administration Pfarrkirchen entstehen ließ. Sie hat diesen Status nie erlangt und war anfänglich der Pfarre Pürgg, dann der neu geschaf-fenen Pfarre Stainach als Filialkirche zugeordnet. Im Frühmittelalter war sie vielleicht eine Eigenkir-che eines edlen Herrn und seiner Güter in der Umgebung. Dass sie - wie Historiker auch meinten - Mittelpunkt der Urpfarre dieses Ennsbereiches gewesen sei, ist wohl zu weit gegriffen. Dieser Rang gebührt wohl der Pfarre Irdning. Jedenfalls weist die Wahl des Salzburger Diözesanpatrons St. Ru-pert auf ein sehr hohes Alter der Niederhofener Kirche hin.