WANDMALEREIEN

Die Niederhofener Fresken lassen sich strukturell in zwei Hauptgruppen teilen: in gemäldehafte szenische Bilder auf den Wänden und in den größeren Flächen, die durch die Netzrippen der Decke definiert sind, sowie in Einzelgestalten, die kleinere architektonische Einheiten schmücken. Monumental im Aufbau und in der Durchbildung wirken dabei die Darstellungen an der Nordwand des Chores, wo nebeneinander in Altarnähe eine Verehrung des Christkindes durch die Heiligen Drei Könige, darunter der betlehemitische Kindermord und schiffwärts ein Jüngstes Gericht zu sehen sind. Beide sind jeweils genau in ein Chorjoch eingepasst. Unter der Bildzone läuft mit Rötel gemal-tes Rankenwerk um den gesamten Chor.

Anbetung durch die Heiligen Drei Könige
An den Wänden

Das westliche Joch trägt ein Jüngstes Gericht, das in vortreff-licher Weise in den Spitzbogen hineinkomponiert ist. Die re-genbogenumsäumte Mandorla, in der Christus ebenfalls auf einem Regenbogen sitzend Gericht hält, fügt sich im oberen Teil der vorgegebenen Architektur ein. Der Vision des Johan-nes in der Geheimen Offenbarung folgend dringen aus dem Mund des Heilands Schwert und Lilie. Maria und Johannes der Täufer bilden mit dem Herrn eine Deesis, die von Engeln begleitet wird, die die Posaunen des Jüngsten Tages blasen. Darunter drängen sich die zwölf Apostel.

Unter diesen erblickt man links, also heraldisch rechts - der »guten« Seite -, die Burg Zion mit der Himmelspforte, vor der der hl. Petrus die Seligen empfängt, unter denen man hierarchisch gegliedert auch Papst, Bischof, Mönch und Fürsten erblickt. Der hl. Erzengel Michael als Seelenwäger mit der Waage, die im persönlichen Gericht die Lebensbilanz des Menschen bestimmt, leitet über zum flam-menumzüngelten Höllenschlund, dem aufgerissenen Maul eines riesenhaften Untieres. Ein Dämon im Fellkleid treibt die Verdammten in diesen Abgrund, unter denen man mit spitzer Mütze auf dem Kopf auch einen Ketzer erkennt.